Und sie klingen doch!

Können LAN-Kabel unterschiedlich klingen? Allein schon die Frage treibt professionellen IT-Experten ein verächtliches Grinsen ins Gesicht. Doch was, wenn die IT-Experten zugleich HiFi-Fans sind? So ging es den STEREO-Lesern Friedrich Müller (l.) und Olaf Baxman (r.), als sie den LAN-Kabel-Hörtest in STEREO 12/2008 lasen. Da war doch tatsächlich von eindeutigen Klangunterschieden bei den Datenstrippen die Rede. So ein Blödsinn, dachten sich die beiden – der eine ist Netzwerkspezialist, der andere in der Kabelbranche tätig. Doch die Sache ließ den beiden Profis keine Ruhe, sie wollten den Unterschieden messtechnisch auf den Grund gehen. Und so nahmen sie mit der Redaktion Kontakt auf: Ob wir Ihnen die getesteten Kabel zwecks Messung zuschicken könnten. Gesagt, getan – die Sache interessierte uns auch.
Dieser Tage nun besuchten uns die beiden mitsamt den Kabeln und den Messergebnissen in der Redaktion. Gemessen hatten sie zum einen das Übersprechen zwischen je zwei Adernpaaren, zum andern die Rückflussdämpfung. Und siehe da: Unser klanglicher Testsieger, das „Advanced High Speed Cat6“-Kabel von Monster, glänzte durch die besten Übersprechwerte, und es war das einzige im Testfeld, das die Grenzwerte des Cat5e-Standards einhielt, und zwar mit deutlichem Abstand. Nun, ein k.o.-Kriterium ist das sicher noch nicht, aber doch ein interessanter Hinweis auf mögliche Ursachen für die Klangunterschiede. Besonders kritisch, so die beiden Experten, sei der Stecker. Dort nämlich kommen sich die Adernpaare besonders nahe, zumal sie am einen Ende überkreuzt werden müssen. Problematisch seien auch Quetschstellen jeder Art, zum Beispiel bei der Zugentlastung im Stecker. Deshalb sei auch Vorsicht beim Verlegen der Kabel geboten: Bloß nicht drauftreten – sonst ist das Übersprechen programmiert! Näheres zun den Messergebnissen demnächst in STEREO.
Kabel LAN Kabel Streaming16 Kommentare
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November 7th, 2009 at 23:45
Mmhh schwer nach zu vollziehen. Das LAN-Kabel wurde aber dabei auch digital genutzt? Weil im analogen wäre es klar, aber im digitalen?? (Sollte das doch keine Rolle spielen)
November 10th, 2009 at 12:24
Das Kabel jeweils einen unterschiedlichen Klang bringen oder das Bild beeinflussen kann man recht einfach selbst testen und nachvollziehen. Wenn es bei kurzen Längen oft nicht das Problem ist, können bei mehreren Metern auch in der digitalen Übertragung bereits Verluste auftreten.
November 10th, 2009 at 22:06
Ich kann über 50m 0815 Lankabel mit aufgekrimpten und gequetschten Steckern solange Daten übertragen wie ich will. Was auf der einen Seite reingeht, kommt auf der anderen Seite auch raus.
November 11th, 2009 at 01:47
Man könnte mal eine WAV-Datei durch diese LAN-Kabel senden und anschließend in hexadezimalen Zahlenwerten ausdrucken. Vom Papier könnte dann jemand manuell diese Zahlenwerte wieder eingeben, und in einer neuen Datei speichern.
Anschließend die Datei abspielen.
Ich bin schon gespannt, ob die Tester dann die Papiermarke oder den Hersteller des Druckers heraushören können. Oder gar die Tastatur, mit der die Daten wieder eingegeben wurden. Sorry für den Sarkasmus, aber ein digitalisiertes Audiosignal ist S-O-F-T-W-A-R-E. Software ist medienunabhängige mathematische Information, es sind schlicht eindeutig überprüfbare Zahlenwerte. Das Audiosignal wird erst im DA-Wandler ERZEUGT - aufgrund von Berechnungen aus den INFORMATIONEN, die das Datenkabel liefert. Vor dem Analogteil des Wandlers gibt es überhaupt kein Audiosignal, das beeinflusst werden könnte.
Und selbst wenn man argumentiert, dass sich der DA-Wandler von mehr oder weniger starken oder schnellen digitalen Signalen beeinflussen läßt:
Dann ist der Fall ganz einfach - ein solcher Wandler ist mangelhaft konstruiert.
November 12th, 2009 at 12:25
Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß sich Netzwerkkomponenten deutlich auf das Klanggeschehen auswirken. Offenbar kommt es sehr auf ein genaues Timing an.
Die Effekte mögen bei einfachen Daten nicht relevant sein, aber bei Audiodaten doch.
November 13th, 2009 at 01:01
Das Timing ist irrelevant, weil Datenblöcke bereits lange bevor sie vom Digital-Analog-Wandler gelesen werden in einem Puffer abgelegt werden. Das Timing, mit dem ein anständiger Digital-Analog-Wandler arbeitet, ist jenes der Bus- und Speichertreiberchips dieses Pufferspeichers, und nicht jenes, mit dem das Netzwerkkabel die Daten anliefert. Ebenso irrelevant sind Spannungsschwankungen in den Kabeln, denn auch das ist durch den Puffer und die diversen Treiberchips völlig entkoppelt. Wenn man bzgl. elektrischer Beeinflussung total paranoid ist, kann man sicherheitshalber noch galvanische Trennung anwenden - also z.B. optische Kabel (Glasfaser). Abgesehen davon existiert kein Unterschied zwischen Daten und Audiodaten. Man kann das leicht beweisen, indem man die Audiodaten in x-beliebigen “normalen” Daten einbettet, die beliebig verschlüsselt, zerwüfelt, ieder zusammensetzt oder was auch immer man softwaretechnisch bewerkstelligen kann. Das Ergebnis ist immer identisch. Wenn das nicht so wäre, würde Digitaltechnik überhaupt nicht funktionieren. Ich sende ihnen zum Vergleich gerne fünfzig gleiche Dateien zu, wobei ich nur eine davon zuvor fünftausend Mal durch ein Netzwerk schicke, die anderen nicht. Wenn sie die Datei, die “Netzwerkverluste” hat, erkennen, dann zahle ich eine Kiste Bier.
LG
November 15th, 2009 at 09:19
Ich empfehle dringend Jedem es einfach mal in der Praxis auszuprobieren. Die Praxis macht alle theoretischen Zweifel obsolet. Herr Altnöder, ihre theoretischen Überlegnungen in allen Ehren, aber Sie müssen erklären, warum es in der Praxis die deutlich hörbaren Unterschiede gibt. Es gibt sie doch!
November 17th, 2009 at 12:57
Hahaha. Hahahaha.
So ein… Hahahahahahahaha.
Danke für den tollen Witz. Lan-Kabel, die den Sound verändern - hihihi.
November 22nd, 2009 at 22:26
Hallo,
ich akzeptiere gerne das ein LAN-Kabel bei rein analoger Übertragung und Interpretation der Daten oder aber bei Datenpaketen ohne Fehlerkorrektur evtl. zu modifizierten Ergebnissen führen. ABER: in der Regel wird speziell bei der Übertragung zwischen Netzwerkspielern und Server immer auf das TCP/IP-Protokoll zurückgegriffen. Dieses Protokoll hat eine Fehlerkorrektur - d.h. sollten die empfangenen Daten nicht den gesendeten entsprechen, wird automatisch noch einmal geschickt. Wie mein Vorredner bereits richtig formuliert hat: wenn es anders wäre, würde auch diese Webseite und überhaupt die ganze Datenverarbeitung nicht funktionieren.
Selbst die renommierten Soundtüftler von Linn sagen klar auf ihrer Webseite, dass es deren Meinung nach keine Klangunterschiede bei LAN-Kabeln oder W-LAN-Verbindungen geben kann, sofern diese in TCP/IP verwendet werden. Diese Leute stehen nun wirklich nicht im Verdacht ausgerechnet beim Thema Materialien falsch zu spielen.
November 24th, 2009 at 11:50
Woran man sieht,daß hifi-redakteure keine Informatiker sind, und vmtl nicht wissen,daß Daten,die über ein lan kabel kommen in x kontrollschichten und fehlerkorrekturschichten verpackt sind, selten konstant fließen,und x-mal zwischengepuffert und neugetaktet werden. Das es da unmöglich ist,daß das kabel nur IRGENDEINEN einfluß nehmen kann,(außer es ist kaputt und es kommen weniger als im schnitt 1,4mbit/s fehlerfreie pakete an), ist jedem Informatiker/Systemprogrammierer klar, und selbst wenn, liegt jitter im Wandler in größenordnungen weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle,selbst bei steinalten jahren d/a-wandlern der ersten wandlergeneration.
Aber dessen sidn sich hifi-redakteure entweder nicht bewußt,oder sie wollen einfach krampfahft dran glauben,daß alles einfluß auf den klang nimmt.
Es ist nunmal so: über den analogen abschnitt hitner dem wandler kann man gespaltener meinung sein,aber das was vor dem wandler ist,ist mathematisch eindeutig.
Dezember 9th, 2009 at 23:30
Hallo an alle,
angenommen ich lasse zwei identische Wandler (theoretisch im analogen teil perfekt identisch und jitterfrei)für rechts und links laufen und speise diese mit mit je einem Kabel vom Router weg… wie syncronisiert man das?
-ernst gemeinte Frage!-
weil… fehlerkorrigiert links und auf Anhieb gut angekommen rechts hört man mit Sicherheit!
Dezember 12th, 2009 at 11:45
@qwert:
1. beide Signale, ob korrigiert oder nicht, durchlaufen die gleichen Algorithmen; es gibt keinen Zeitunterschied
2. selbst wenn so was theoretisch passieren würde gib es eine einfache und elegante Lösung: Puffer; die Musik wird nicht sofort sondern zeitverzögert abgespielt
So funktioniert z.B. jeder Stream aus dem Internet oder auch Recording mit ASIO-Treibern (beim Recording natürlich viel höheren Anforderungenn)
Dezember 22nd, 2009 at 12:17
Das Kabel einfluss haben können, lässt sich ganz einfach nachweisen. Man nehme ein einfaches altes schlecht geschirmtes Coax-kabel und übertrage darüber digitales TV (DVB-C oder DVB-S). Das TV-Bild ist einfach schlecht, Datenpakete gehen unterwegs verloren. Nimmt man ein dem aktuellen Standard entsprechendes Coax-Kabel was für den nötigen Spezifikationen entsprecht hat man perfektes Bild und Ton. Nimmt man ein Voodoo-Koaxkabel für ein vielfaches hat man aber keine weiteren Verbesserungen, selbst wenn die Signalqualität etwas besser wäre.
Bei Netzwerkkabeln ist es das selbe. So lange die Kabel der spezifikation entsprechen und entsprechend dieser verwendet werden kann es auch keine Unterschiede kommen auch keine Unterschiede raus. Sicher mag es hier und da kleine Variationen der Signalqualität geben, die aber bei digitaler Übertragung und den kurzen längen vernachlässigbar sind. Interessant wird es erst wieder, wenn man die Spezifikationen ausreitzen will zb. richtig lange Netzwerkkabel, wenn dabei Laufzeiten von Datenpaketen entscheidend sind. Das kommt aber nur vernetzung von Supercomputern zum tragen.
Bei schlechten Kabeln, sprich denen, die nicht der Spezifikation entsprechen. Irgendwelche defekte haben oder ähnliches. Aber ein Voodookabel bringt gegenüber einem guten normalen Kabel keine Besserung.
Wenn dieses Kabel das einzige im Testfeld war, das die Grenzwerte des Cat5e-Standards einhielt. Dann vergleichen sie doch einfach dieses mit anderen Kabeln die auch der Spezifikation entsprechen.
Januar 6th, 2010 at 13:08
Was kommt denn als nächstes?
Welcher Switchhersteller klingt besser?
Ich sehe im Geiste schon Sätze wie, sobald der HP Switch durch das Cisco Modell mit der Firmware X.Y getauscht wurde, hat sich die Räumlichkeit der Darstellung erheblich . . . !
Ionisiertes Dunstspray für besser klingendes WLAN? Austauschantennen für die AP um die Räumlichkeit oder die Tiefenstaffelung genauer zu erreichen? Mal ehrlich Freunde, langsam reichts. Schaut bitte einfach mal in die Protokollbeschreibungen von TCPIP. Auf welcher der Übertragungsschichten der Übertragungsprotokolle wurden denn die Klangänderungen erzeugt? Wurde auch schonmal ein Test zwischen den verschiedenen Übertragungsprotokollen gemacht. Wie hält sich denn IPX / SPX im Vergleich zu NETBui oder TCPIP?
März 28th, 2010 at 02:38
Das menschliche Ohr als absolutes Testkriterium? Mal im ernst: Nichts ist wankelmütiger als unser Ohr und unsere Einbildung. Lasst uns froh sein, dass wir so einiges auf physikalische Gegebenheiten zurückführen können. Der Test lässt jedem Techniker die Fremdschamesröte ins Gesicht steigen!
Warum klingt das Lied so hart wenn ich gegen die Sonne schaue und warum so zart wenn ich melancholisch Abends auf der Couch liege? Nee, es liegt nicht am Kabel! Es liegt an mir, dem Mensch und dass ist auch gut so…
Juni 10th, 2010 at 21:06
@divi
Eigentlich falsch. Die digitalen DVB Signale werden keiner Fehlerkorrektur unterzogen. Somit kann es zu Datenverlusten kommen. In einem Netzwerk werden die Daten solange neu angefordert bzw. gesendet, bis alles stimmig ist. Es gibt keinen Datenverlust, es kann nur zu einer sehr hohen Latenz kommen, wodurch der Puffer im Gerät leer läuft und dadurch das Gerät (mit der Wiedergabe) stockt.